
Zwischen Hannover und Braunschweig liegt das beschauliche Städtchen Peine. Und dort befindet sich das unter Rutschenfreunden sehr bekannte Freibad, welches mit einer großen Rutschenanlage auftrumpfen kann. Das Freibad liegt an einer Landstraße und lässt sich zu Fuß in ca. 15 Minuten ab dem Bahnhof Peine erreichen.

Die Kasse des Freibades liegt im Innenbereich in einem extra angelegten Gebäude. Dort bekommt man nach einer freundlichen Begrüßung die Schwimmbad-Magnetkarten. Es gibt Kurzzeitkarten, die 120 min gültig sind, sowie Tageskarten. Die Tageskarte kostet 6 Euro, der ermäßigte Tarif (Kinder, Schüler, Studenten...) beträgt 3,50 Euro für einen ganzen Tag. Das ist sicherlich nicht viel Geld für dieses geniale Freibad!
Ebenfalls im Gebäude befinden sich die Umkleiden und Schränke:

Ich gehöre zu denjenigen, die ihre Klamotten lieber in den Schrank einschließen, statt die Tasche mit nach draußen auf die Wiese zu nehmen. Und für Leute wie mich ist der Schrankbereich dann etwas fehlkonstruiert. Die Schränke schließt man nämlich ab, indem man die an der Kasse ausgegebene Magnetkarte von außen an die Schranktür hält. Toll, jetzt ist der Schrank zu, und wohin dann mit der Karte? Gewusst wie: die Karte habe ich dann einfach in ein Wertschließfach eingeschlossen, welches noch mit der guten alten Euromünze verschlossen wird. Trotzdem kann ich mir den Sinn dieser Praxis bei bestem Willen nicht erschließen.
Nun aber raus ins Bad! Nachdem man an einem Kinderbecken vorbeigegangen ist, steht man vor dem Sportbecken:

Alle Becken im Peiner Freibad bestehen aus Edelstahl und sind daher sehr hygienisch. Im Hintergrund erkennt man auch noch das orangefarbene Gebäude, in dem Kasse, Umkleiden und Sanitär untergebracht sind.
Das Sportbecken ist in zwei Hälften eingeteilt. Die linke Seite hat 25-Meter-Bahnen und Startblöcke:

Rechts gibt es weitere 25-Meter-Bahnen sowie eine Aussparung mit Sprungbrettern:

Drei Sprunghöhen (1 m, 3 m und 5 m) stehen den Springern zur Verfügung. Dass die Sprunganlage seitlich angebracht ist, verhindert, dass durch das Springen sportliche Schwimmer gestört werden. Sehr gut gelöst!
Neben dem Sportbecken befindet sich noch ein kleines Lehrschwimmbecken:

Das zweite große Becken im Freibad Peine ist das Erlebnisbecken:

Auch das Erlebnisbecken besteht aus Edelstahl und ist zweigeteilt. Im hinteren Bereich endet eine langweilige Breitrutsche und es gibt auf der im Bild rechten Seite einen Strömungskanal sowie Bodensprudler. Vorne an hat auch dieses Becken eingezeichnete Schwimmerbahnen. Im Gegensatz zum Sportbecken ist dieses Becken recht flach und somit auch für Nichtschwimmer geeignet.
Und neben dem Erlebnisbecken steht der berühmte Rutschenturm!



Über eine Wendeltreppe besteigt man die fast 14 m hohe Plattform, von dem die beiden Rutschen starten:

Oben angekommen, starten die beiden Rutschen nebeneinander:

Oben muss man sich für eine der beiden Rutschen entscheiden. Geht man links herum, so gelangt man zur Edelstahlrutsche von Wiegand:



Die Edelstahlrutsche ist eine offene Halbschalenrutsche, die mit fast 150 m Länge eine der längsten Rutschen Norddeutschlands ist. Die Rutsche sieht von außen betrachtet relativ lahm aus, doch das täuscht gewaltig - dies ist eine der heftigsten Wiegand-Edelstahlrutschen, die es hierzulande gibt!
Am Anfang ist die Rutsche wirklich nicht besonders schnell. Am Anfang durchrutscht man eine sehr lange Linksspirale, die durchaus einen Drehwurm verursachen kann:

Danach folgt die erste heftige Stelle:

Nach der Linkshelix folgt ein gerades Stück und danach eine Rechtskurve! Hier hechtet man mit soviel Speed hinein, dass man über die Oberkante der Halbschale hinwegrutscht. Das ist sehr heftig!
Das Spiel wiederholt sich ein paar Mal, da die Strecke danach sehr kurvenreich weiterverläuft:

Mit richtiger Rutschtechnik kann man aus dieser eigentlichen Familienrutsche sehr viel Speed rausholen. Man wird wirklich sehr schnell und in den Kurven schleudert es einen extrem weit nach oben, besonders im ersten Richtungswechsel ist das sehr ausgeprägt.
Das Landebecken besteht ebenfalls aus Edelstahl:

Und als krönenden Abschluss hat die Rutsche auch noch eine Zeitmessanlage:

Die Rutsche ist einfach klasse! Sehr lang, relativ heftig, schön schnell. Für Familien ist die Rutsche allerdings auch gut geeignet, da man ohne sportliche Rutschhaltung auch nicht so schnell unterwegs ist.
Doch die beste Rutsche, die alle anderen Freibadrutschen weit hinter sich lässt, folgt nun:


Die Turborutsche von Hartwigsen, die im Jahr 2005 nachgerüstet wurde. Schon die Herstellerangaben machen Angst: fast 14 m Höhe werden bei gerade mal 38 m Länge zurückgelegt. Kürzer und höher = steiler. Das sind wirklich brutale Werte und es gibt kaum andere Turborutschen dieser Länge, die so hoch sind. Zum Vergleich: die Turborutsche im Schwimm in Gevelsberg ist auch 38 m lang, allerdings nur 8 m hoch! Die Rutsche in Peine hat also bei gleicher Länge fast die doppelte Starthöhe!

Die Altersfreigabe beträgt hier übrigens schon 10 Jahre, während die meisten anderen Turborutschen mit diesem Gefälle erst ab 12 Jahren frei sind.

An der Kasse fragte ich extra nach, ob die Rutsche geöffnet sei, was mir bejaht wurde. Doch als ich ankam, musste ich zuerst feststellen, dass die Rutsche noch trocken war und kein Wasser lief. Ist ja auch verständlich, ich war der einzige Rutscher in den ersten 2 Stunden und eine Öffnung hätte sich nicht gelohnt. Also begab ich mich zur Bademeisterstation, wo das sehr freundliche Personal die Rutsche sofort für mich anschaltete. Als ich die Treppe dann wieder hochging, lief auch endlich Wasser durch die Röhre. Dann kann's ja losgehen!
Der Einstieg ist mit einem Drehkreuz abgesichert:

Der Blick in die Tiefe:

Die Turborutsche ist als halbdunkle Röhre ausgeführt und hat auf der kompletten Strecke Daylight-Ringe, die den Geschwindigkeitsrausch verstärken sollen.
Nach dem Start geht es extrem steil und schnell abwärts:


Es ist wirklich nicht normal, wie schnell diese Rutsche ist. Durch den Drop bekommt man eine Geschwindigkeit, die man sich kaum vorstellen kann. Die Daylight-Ringe verstärken den Effekt noch. Das ist die mit Abstand steilste und schnellste Freibad-Turborutsche, die es hier in Deutschland gibt. Warum diese Rutsche schon ab 10 Jahren freigegeben ist, kann ich nicht nachvollziehen - zumal die Altersfreigabe in Gevelsberg bei 15 (!) Jahren liegt. Abgesehen von den Turborutschen im Palm Beach, Tropical Islands und der Ostsee-Therme gibt es nicht viele Rutschen, die geschwindigkeitsmäßig an die Turborutsche in Peine rankommen.

Nach dem steilen Drop schießt man regelrecht in die Kurve:

In der Kurve wirken hohe G-Kräfte, wenn auch nicht so hoch wie in der Rutsche im Aquabasilea. Durch die hohe Geschwindigkeit spritzt einem in der Kurve soviel Wasser in die Augen, dass man die Rutschpartie kaum visuell verfolgen kann.
Direkt aus der Kurve raus donnert man dann nach kurzer Fahrt ins Auslaufbecken:


Das Landebecken macht diese Rutsche noch ein Stück heftiger, denn man kracht mit einer solch brachialen Gewalt ins Becken, dass man einen ordentlichen Einlauf verpasst bekommt, wenn man die Beine nicht zusammenhält. Das liegt auch daran, dass das Wasser im Becken recht tief ist und auch recht hoch in der Röhre steht. Nach der Kurve sollte man also aufpassen, die Körperspannung zu halten.
Auch ist das Becken relativ eng, sodass man schnell mal gegen die Seitenwände donnert:

Das Landebecken verlässt man durch ein Klapptor. Sobald man das Landebecken verlassen hat, löst man eine Lichtschranke aus und der nachfolgende Rutscher darf starten. Die Ampel spielte allerdings zwischenzeitlich verrückt und blieb einfach auf Rot stehen, doch das hilfsbereite Personal behob den Fehler dann auch immer schnellstmöglich.
Die Turborutsche gehört definitiv zur Top 5 der heftigsten Rutschen Deutschlands und ist daher ein Muss für jeden Rutschenfan. Die Rutsche ist in etwa vergleichbar mit der grünen "Extrême" im Aquabasilea bei Basel. Allerdings folgt in Peine nach dem Steilstück und einer Kurve direkt das Landebecken, während im Aquabasilea noch eine G-lastige Helix kommt. In Peine ist die Landung allerdings deutlich brutaler und die Rutsche ist subjektiv auch ein wenig schneller. Absolut brutale und geniale Turborutsche, die viel zu wenig beworben wird.
Die beiden Landebecken nebeneinander:

Auch die Lage inmitten von grüner Natur ist bemerkenswert:

Fazit: Ist Freibadwetter? Dann gibt es für Rutschenfans nur eine Adresse: FREIBAD PEINE! Fahrt hier unbedingt hin, wenn ihr eine brutale Turborutsche rutschen wollt. Auch die andere Rutsche ist sehr spaßig. Zudem ist die Lage des Bades einfach traumhaft, drumherum liegen nur Berge und Felder. Das alles gibt es zu günstigen Eintrittspreisen. Das bisher beste Freibad in Deutschland, das ich kenne!
| Bewertung (Schulnotensystem) | |
|---|---|
| Lage | ++ |
| Vielfalt der Wasserangebote | + |
| Hygiene | ++ |
| Temperatur | + |
| Rutschen | ++ |
| Gastronomie | n.b. |
| Umkleiden | O |
| Sanitäre Anlagen | ++ |
| Personal (Bademeister) | ++ |
| Personal (Kasse) | ++ |
| Eintrittspreis | ++ |
| Gesamtwertung | ++ |
| ++ sehr gut; + gut; O befriedigend; Θ ausreichend; - mangelhaft; -- ungen. Die Bewertung der Wasserrutsche(n) zählt doppelt! | |



